Semesterferien. Für Studenten die zwei Monate im Jahr, in denen Uni keine Rolle spielt. Oder zu-mindest keine Rolle spielen sollte. Sämtliche Prüfungen und Hausarbeiten sind geschrieben und abgegeben. Die Kommilitonen sind alle nach Hause gefahren, die Wohnung in der Unistadt auf-geräumt und leer gefegt. Mit einer riesigen Tasche komme ich Zuhause bei meiner Mutti an. Erst mal Wäsche waschen. Mein Hund freut sich riesig mich zu sehen, meine Mutti sieht nur die Wäsche-tasche und verdreht die Augen. Wie schön es ist, Zuhause zu sein.
Den ersten freien Tag verbringe ich, wie es sich für Studenten eben gehört, in meinem Bett. Netflix, Cola, Chips. Vielleicht zocke ich später noch ein wenig Sims. Zumindest habe ich dann in irgend-einem meiner Leben Erfolg.
Denn das Leben, welches ich hier, jetzt gerade in diesem Augenblick, lebe, ist alles andere als erfolgreich. Zumindest fühlt sich hier alles ziemlich erfolglos an.
"Das Studium wird die Zeit deines Lebens sein.", "So viel Spaß wirst du nie wieder haben.", "Genieß die Zeit, sie wird nie mehr zurück kommen.", "Einmal noch mal Student sein.."
Diese Sätze und noch viele weitere kann ich mir fast täglich anhören. Ich weiß nicht genau, was diese Leute studiert haben, aber eins ist klar - ich studiere offensichtlich das Falsche.
Oder?
Ist wirklich das Studium verkehrt, oder läuft hier eigentlich was ganz anderes nicht so, wie es laufen sollte? Ich mag nur ungern pauschalisieren, aber ich befürchte ich habe nicht mal Unrecht, wenn ich behaupte, dass jeder Mensch einer bestimmten Zeit in seinem Leben sehnsüchtig hinterher blickt und sich von tiefstem Herzen wünscht, für nur einen Tag noch mal in dieser Zeit leben zu können. Das Studium vor 20 Jahren. Der Griechenlandurlaub 2013. Abi. Meine Reisen.
Doch was ist, wenn ich dir sage, dass du dich wohl in 5, 10, 20 Jahren nach dieser Zeit zurück sehnst? Weil du heute viel gelenkiger und fetter bist, als du es jemals wieder sein wirst. Weil du dieses Jahr zwei Wochen länger Urlaub hattest, oder weil du in diesem Jahr den Sommer deines Lebens hattest.
Besteht das Leben also nur darin, alten Zeiten hinterher zu schmachten? Und was ist mit den jetzigen Zeiten? Was ist denn mit meinem Studium? Und warum sehe ich nicht, dass ich mitten in der besten Zeit meines Lebens stehe?
Stattdessen hocke ich in meinem Bett, weine Erinnerungen aus weit entfernten Zeiten nach und wünschte, ich hätte alles mehr genossen.
Doch warum genieße ich nicht jetzt alles um so mehr?
Sollte man nicht aus Fehlern gelernt haben? Sollten mir nicht all meine Erinnerungen und Sehnsüchte nach alten Zeiten Mahnmal genug sein, damit ich es jetzt besser machen kann?
Natürlich ist das Leben nicht immer rosig und das erwartet auch hoffentlich keiner. Aber diese ständige Schwarzmalerei und "früher war alles besser" gehen mir gehörig auf die Nerven.
Ja, früher war es schön. Früher hatten wir unglaublich Spaß, wir hatten den Sommer unseres Lebens. Aber was, wenn dieser Sommer auch der unseres Lebens wird? Oder besser?
Was, wenn all die schönen Sachen, die wir nur noch in unseren Erinnerungen sehen, direkt um uns herum passieren, wir aber zu blöd sind, weil wir gedankenversunken auf Smartphones und Laptops alten Kammellen hinterher heulen.
Tja, was wäre, wenn.
Denn ich hocke hier in meinem Bett und sehne mich nach alten Zeiten, obwohl mir das alles bewusst ist. Weil manchmal die jetzigen Zeiten erst zu alten Zeiten werden müssen, damit wir verstehen, was wir eigentlich an ihnen hatten.
Und eigentlich sind Semesterferien. Die Zeit meines Lebens.
Auf neue gute alte Zeiten.











